Zur Debatte gestellt: Meinungen und Kontroverses -

Spurensuche in der Freiberger Nachkriegsgeschichte: Der Fall Dr. Schelbach

von Dominik Kern

Lokalgeschichte

Zeitungsartikel mit Überschrift "Blutsauger" und Straßenschild "Parkstraße"
Lokalseite der Sächsischen Zeitung vom 29. Mai 1946

Am 27. Mai 1946 – vor genau 80 Jahren – sorgte ein tragisches Ereignis für Aufsehen: Der anerkannte Chirurg Dr. med. Paul Schelbach und seine Ehefrau Luise schieden gemeinsam aus dem Leben.

Dem Freitod vorausgegangen war die Enteignung sowie wahrscheinlich angeordnete Räumung seiner Praxis als auch Wohnung in der Parkstraße 9, der späteren Poliklinik. Dem folgte die Anprangerung auf der Lokalseite der Sächsischen Zeitung vom 29. Mai 1946, die zeigt wie rau das gesellschaftliche und politische Klima in jener Phase der sowjetischen Besatzungszone war:

„Das Ehepaar Schelbach hat das Urteil, das das gesunde Rechtsempfinden des werktätigen Volkes hätte über sie fällen müssen, an sich selbst vollzogen. Der Stab über ihm ist gebrochen! Leuten seines Schlages, ob Hamsterer, Schieber, Schwarzhändler, ob Wucherer oder Ausbeuter, gilt unser kompromißloser Kampf. Nur ihre restlose Ausmerzung sichert die Gesundung und den Aufbau unserer Wirtschaft!“

Aus heutiger Sicht wirft der Fall zahlreiche Fragen auf. Unklar ist bis heute, ob es sich tatsächlich um ein nachweisbares Wirtschaftsdelikt handelte oder ob das Ehepaar in den Strudel politischer und gesellschaftlicher Veränderungen geraten ist. Ebenso offen bleibt, welche Rolle mögliche Denunziationen oder lokale Konflikte gespielt haben könnten und ob ein rechtsstaatliches Verfahren überhaupt stattgefunden hat.
Der Fall Dr. Schelbach steht damit exemplarisch für eine Zeit, in der persönliche Schicksale eng mit politischen Umbrüchen verknüpft waren und nicht alle Vorgänge eindeutig dokumentiert sind.

Wir möchten diesen Fall historisch aufarbeiten und die Hintergründe beleuchten. Daher bitten wir unsere Leser um Mithilfe: Haben Sie Dokumente, Briefe oder Fotos aus dem Freiberg der Jahre 1945-1946, in denen der Fall oder die Praxis von Dr. Schelbach vorkommen? Gibt es in Ihren Familien Erinnerungen oder mündliche Überlieferungen zu diesem Ereignis?


Hinweise richten Sie bitte an die Redaktion.

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